Das EU-Parlament hat für Donnerstag eine Sondersitzung einberaumt um ein erstes Maßnahmenpaket der EU-Kommission für die Bewältigung der Corona-Pandemie und der Abmilderung ihrer Folgen zu beschließen. Erstmals in der Geschichte des Europäischen Parlaments kommt dabei ein Fernabstimmungssystem zum Einsatz, welches es den Abgeordneten erlaubt, aus ihren Heimatländern abzustimmen. Aufgrund eines gemeinsamen Meetings mit dem Brexit-Chefunterhändler Barnier am 10. März, der mittlerweile positiv auf Covid-19 getestet wurde, bleibt aber auch Hansen der Sitzung im EU-Parlament vorsichtshalber fern und greift auf die digitalen Hilfsmittel zurück. Hansen kritisiert allerdings die Möglichkeit der physischen Präsenz der Abgeordneten, der Parlamentsbediensteten der Übersetzer usw. als unangemessen und fahrlässig.Es ist unsere Pflicht als Vorbild zu wirken und kein Leben unnötig aufs Spiel zu setzen. Diese Versammlung muss auch handlungsfähig sein ohne sich zu versammeln. Auch wenn wir uns diese neue Funktionsweise noch angewöhnen müssen sollte uns das im 21. Jahrhundert keine unlösbare Aufgabe sein“ 
 
 
Geisterflüge beenden – EU setzt die “Use-it-or-loose-it” Regelung für die Slotverteilung aus
 
Das Flugaufkommen in der EU ist aufgrund der Corona-Krise drastisch zurückgegangen. Dennoch heben zahlreiche Flugzeuge als sogenannte Geisterflüge von den Startbahnen ab. Das Problem ist eine EU-Regelung, die es Fluggesellschaften vorschreibt, ihre Start- und Landerechte auf großen Flughäfen zu 80 Prozent zu nutzen, um ihre Slots in der folgenden Saison halten zu können.  Das führt zur absurden Situation, dass Fluglinien mit leeren Maschinen abheben. Das EU-Parlament stimmt deshalb morgen einem Gesetzesvorschlag zu, der es Fluggesellschaften erleichtert, temporär ungenutzte Slots zu behalten. Die Ausnahmeregelung gilt zunächst bis Ende Oktober, kann aber nochmals verlängert werden:
 
„Die Fluggesellschaften stehen aufgrund des nie dagewesenen Einbruchs an europäischen und internationalen Flügen ohnehin schon unter großem Druck. Die Beibehaltung der Start- und Landeslots ist für sie aber wichtig, um das Geschäft nach der Coronakrise wieder aufnehmen zu können. Airlines dazu zu zwingen, leere Maschinen abheben zu lassen ist allerdings sowohl aus wirtschaftlicher Sicht als auch mit Blick auf die Klimafolgen schierer Wahnsinn. Ich begrüße deshalb das schnelle Handeln der EU-Kommission. Außergewöhnliche Umstände erfordern außergewöhnliche Maßnahmen.“
 
Investitionsinitiative zur Bewältigung der Coronavirus-Krise
Der COVID-19-Ausbruch hat erhebliche Auswirkungen auf die Mitgliedstaaten, ihre Gesellschaften und die Wirtschaft. Die Pandemie behindert Wachstum, verursacht Liquiditätsprobleme und setzt die Gesundheitssysteme unter enormen Druck. Um dieser Ausnahmesituation zu begegnen, hat die Kommission spezifische Maßnahmen zur Mobilisierung von Investitionen in die Gesundheitssysteme der Mitgliedstaaten und in andere Sektoren vorgelegt. Mit dieser Investitionsinitiative sollen die verfügbaren Reserven in den Europäischen Struktur- und Investitionsfonds zur Bekämpfung der Krise mobilisiert werden.
 
Betroffen sind der Europäische Fonds für regionale Entwicklung, der Europäische Sozialfonds, der Kohäsionsfonds sowie der Europäische Meeres- und Fischereifonds. Die Mittel aus den Vorauszahlungen, welche für das Jahr 2020 nicht in Anspruch genommen werden, sollen nicht wie üblich an den Fonds zurückgezahlt werden, sondern können von den Mitgliedstaaten zur Bewältigung der Coronavirus-Krise genutzt werden. So sollen bis zu 29 Milliarden Euro mobilisiert werden, um die Gesundheitssysteme, kleine und mittlere Betriebe sowie Investitionen zur Stärkung des öffentlichen Gesundheitswesens zu finanzieren
 
Finanzielle Unterstützung für Mitgliedstaaten und Beitrittsländer, die von einem schweren öffentlichen Gesundheitsnotstand stark betroffen sind
Der Europäische Solidaritätsfonds wurde 2002 eingerichtet, um die EU-Mitgliedstaaten und die Beitrittsländer bei großen Naturkatastrophen wie Überschwemmungen, Stürmen, Waldbränden oder Dürren zu unterstützen. Betroffene Länder können so auf Antrag zusätzliche Finanzmittel aus dem EU-Haushalt erhalten. Der Fonds kann eine wichtige Rolle dabei spielen, die Solidarität der EU im Umgang mit der durch die Corona-Pandemie entstandenen Notsituation zu demonstrieren. 
Die EU Kommission schlägt daher vor, den Geltungsbereich des EUSF zu erweitern, damit neben Naturkatastrophen auch größere Notfälle im Bereich der öffentlichen Gesundheit einbezogen werden können und medizinische Hilfe sowie Maßnahmen zur Eindämmung der weiteren Ausbreitung einer Infektionskrankheit finanziert werden können. Außerdem wird der Gesamtbetrag der Mittel für Vorschüsse von 50 Mrd. EUR auf 100 Mrd. EUR verdoppelt und die Mobilisierung des Fonds vereinfacht. 
 
Staatliche Beihilfen: EU-Kommission genehmigt mit 300 Mio. EUR ausgestattete luxemburgische Regelung zur Unterstützung der vom Coronavirus-Ausbruch betroffenen Unternehmen
Um unlauteren Wettbewerb in der EU zu verhindern, sind staatliche Beihilfen für Unternehmen normalerweise streng reguliert. Um die Unternehmen in Zeiten der Coronavirus-Krise unterstützen zu können, hat die Kommission die Vorschriften bis Ende 2020 erweitert. 
Die luxemburgische Regelung staatlicher Beihilfen von 300 Milliarden Euro zur Unterstützung von Unternehmen und Freiberuflern, die durch den Ausbruch des Coronavirus wirtschaftliche Schäden erlitten haben, wurde am 24. März von der EU Kommission genehmigt. So können Unternehmen, die durch die Coronavirus bedingte wirtschaftliche Krise in finanzielle Schwierigkeiten geraten, eine Unterstützung von bis zu 500.000 Euro in Anspruch nehmen um beispielsweise Personalkosten oder Mieten zu zahlen. 
 
“Mit diesen Initiativen zeigt die Europäische Union, dass sie in Krisenzeiten solidarisch, schnell und gezielt reagieren kann um den Schutz der europäischen Bürgerinnen und Bürger und Unternehmen zu garantieren, und die Lebensgrundlage sowie die Versorgung der Menschen mit Lebensmitteln und Medikamenten aufrecht zu erhalten.”